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Klaus Staeck: Bitte nicht einsperren
Die Postkarten waren für mich immer wichtig. Sie sind stets Hauptsache, nie Nebenprodukt meiner Arbeit. Meine ersten Karten entstanden 1960, lange vor meinen Plakaten: Schwarz-weiß-Drucke, gelegentlich handcoloriert, da für einen kostspieligen Druck das Geld nicht reichte. Ich nehme den Entwurf einer Postkarte immer so ernst, wie andere große Bilder malen oder eine Plastik aus dem Stein hauen. Verkleinerte Reproduktionen von ursprünglich großen Arbeiten sind in den seltensten Fällen gute Postkarten. Die Karten sind meine große Liebe, weil sie im guten Sinne populär sein können: jedermann zugänglich, billig und benutzbar. Sie sind Bilder, sind Argumente, die man im Wortsinne bei sich tragen kann. Ich habe versucht, an die große Postkartenkultur vor dem Krieg anzuknüpfen, und habe inzwischen auch sehr viele Karten anderer Künstler verlegt. Seit jeher werden meine Karten in der Galerie und in der Bahnhofsbuchhandlung, im Kunstmuseum und auf dem Flohmarkt angeboten. Inzwischen zögern die Museen und einige Buchhandlungen ein wenig, weil sie die Besucher vor politischen Themen lieber schützen wollen. Das allgemeine Klima scheint nicht gut für populäre Formen der Verbindung von Kunst und Politik zu sein. Postkarten waren immer gute Seismographen, weil sie auf Öffentlichkeit angewiesen sind. So spricht es nicht für die Liberalität in unserem Lande, wenn mehr und mehr Leute sich besorgt erkundigen, ob man derartige Karten noch mit der Post verschicken könne. Aus Erfahrung kann ich sie beruhigen: Noch kann man. Noch gibt es keine Verordnung, die bestimmte Postkarten als gefährliche Güter einstuft, die von der Beförderung ausgeschlossen sind. Dabei will ich gar nicht leugnen, daß Postkarten subversiv sein können. Kunst ist immer Risiko und in Kartenform außerdem sehr mobil. Ihre eigentliche Kraft entfalten Postkarten eigentlich erst unterwegs. Erst die Post macht die Karte zur Postkarte. Deshalb sollte es Postkartenbüchern wie Wandkalendern ergehen: Sie erfüllen ihre Funktion erst, wenn man Blatt für Blatt abreißt. Wer die Karten unbedingt zwischen zwei Buchdeckeln halten möchte, sollte dann schon ein zweites Exemplar erwerben. Postkarten lieben und brauchen nun einmal die Freiheit ganz besonders: Man sollte sie nicht ohne Not einsperren.
EDITION STAECK ©2003-2005 mit freundlicher Unterstützung von
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BILD - ABBILD
Becher, Cieslick, Dietzler, Horn, Klein, Metzel,
Polke, Sieverding, Staeck, Trockel, Wolleh
12. März 2010 - 30. Mai 2010